Die Zusammenkünfte der alten Querschläger fanden jeden Sonntag bei Bonten statt. Es waren keine offiziellen Versammlungen heutigen Stils, vielmehr eine Art Stammtischrunde von Leuten, die sich gut kannten und einen gemeinsamen Hang zur Geselligkeit hatten (aus einer solchen Stammtischrunde wurde wohl auch die Idee geboren, 1922 zum ersten Male mitzumarschieren). Da sich sowie alle Sonntags trafen, konnten Vorschläge und Ideen gleich behandelt werden. Die Mutter der Kompanie, stiftete in jedem Jahr das Blumenhorn …

Das Alter der Schützenbrüder war ziemlich einheitlich, es bewegte sich um die 25 Jahre. Die Schwankungen betrugen 2 – 3 Jahre.

Das Gründungsjahr 1922 fiel in die schlechte Zeit. Ein Spruch aus dieser Zeit: “Et es ´ne uesel ende welt, völl papier on wennes jelt…” (St. Tönis, Berg Wilhelm).

So erzählte ein alter Schützenbruder: “Da hatten wir eines abends einmal 1.000.000 Mark in der Tasche. Wir nahmen uns vor, damit am nächsten Abend rauszugehen und das Geld auf den Kopf zu hauen. Der Tag verlief auch noch gut, doch als der Abend kam, mussten wir feststellen, dass das Geld nicht einmal für den Eintritt reichte. Ja, das war die Inflation…”

Die schönste Woche des Jahres, war immer die Woche vor dem Schützenfest, die Übungswoche. Es ging dann in Formation nach Hannen auf der Hardt. Der Zugführer Albert Rahm ließ auf dem Wege dorthin an jedem zweiten Laternenmast eine Parade machen. So hatten man den richtigen Durst, um bei Hannen einzukehren. Der Rückweg verlief ebenso und endete meist bei Schiffer oder bei Bonten…

Kurze Zeit, nachdem Albert Rahm nach Norf zog, wurde er dort Schützenkönig. Natürlich durften auch Vertreter seines ehemaligen Willicher Zuges nicht fehlen. Mit dem Brennabor-Auto des Kassierers Jakob Breuers ging es nach Norf. Dieser Besuch dürfte wohl in die dortigen Annalen eingegangen sein, denn anschließend fehlten Toilettenspiegel, Schützenkränze, sogar ganze Blenden (Fensterläden) fanden ihren Weg nach Willich…

In einem Jahr gab es vom Radfahrverein einen Zuschuss von zwanzig Mark für den Zug. Das war damals wohl etwas mehr wert als heute und so machte sich der Zug auf, um diese Freude tüchtig zu feiern. Der Weg ging nach Metzen und dann de janze hellje-hüskes wier terück. So kam man beim Höfkes-Metzger vorbei und die ganze Meute fiel dort ein. Der Zugführer (Rahm) griff sich die Schneidemaschine, auf der ein Stück Schinken lag und schnitt und schnitt … – bis die gute Metzgersfrau meinte: “Joe jonges, dat wat err afsnitt, dat mör err och neeme”! “Wat?” meinte ein Schützenbruder daraufhin “dar es os noch neeit jenoch, hat err neeit noch miir?”, nahmen sich noch die letzten Blutwurstringe und weiter ging es nach Bonten. Sie mussten schön ausgesehen haben, dass der alte Bonten (de doch waal er´s kniipiswoer) noch das Brot zu der Mahlzeit gab.

Früher wurde der Standort der einzelnen Züge beim Schützenfest ausgelost. Jeder Schützenzug hatte einen Vertreter, der auf der Generalversammlung für den Zug das Los zog. Im Jahre 1929 war es Reuter Heinrich, der für den Zug des Radfahrvereins die No. 2 zog (No. 1 war traditionsgemäß dem Zug von Hütz Robert vorbehalten). Ein anderer Zug versuchte seinen Platz für ein Fass Bier zu tauschen. Ob unsere Ur-Querschläger zu Stolz waren, oder ob ein Fass Bier bei einem solchen Fall zu wenig war – Ich weiß es nicht: Jedenfalls kam der Handel nicht zustande…